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Der erste Eindruck ist bedrückend,
der Titel der Arbeit ist es auch. „Thanatos“, Todestrieb, nennt
Burkhardt Rokahr seine Installation, deren noch unvollendeten Entwurf
er in der Invetro Galerie vorstellt. Zwanzig weiße Textilkörper
hat er in den weiten, niedrigen Raum gehängt. Ihre
eingeschnürten Rümpfe werden von schwarzen Gewändern
umhüllt; die ausgefransten Nähte berühren kaum den
Boden. Wie Klageweiber muten die Figuren
an, wie Nonnen, die ihr Gesicht im Tuch ihrer Tracht verbergen. In
strengen Reihen formiert, scheinen sie zur Mahnwache angetreten zu
sein.
Auf Kontraste setzt die Arbeit Rokahrs in minmalistischer Schwarz-Weiß-Ästhetik, und sie wirft Fragen auf nach den dualistischen Bedingungen des Lebens: nach Gut und Böse, Leben und Tod, Täter und Opfer. Was eben noch wie eine Gruppe Klosterschwestern wirkte, erinnert plötzlich an Folteropfer. Kontemplation wandelt sich zu bedrohlicher Spannung. Kristina Tieke
Hannoversche Allgemeine Zeitung, 23.7.2002 |